Lebensmut Teil 2

Positiv Story Projekt Nr 7

 

Pascal leidet seit über 20 Jahren an einer Fanconi-Anämie, einer sehr seltenen Erbkrankheit, die unter anderem zu Blutarmut und einem sehr schwachen Immunsystem führt. Aber auch noch einige andere Nebenwirkungen hat. 

Den ersten Teil seiner Positiven-Story gab es vor ein paar Tagen. 

Hier folgt nun Teil zwei. 

 

Erzählt von Pascal Isliker, aufgeschrieben von Martina Zürcher

„Ich bin heute bereits seit acht Monaten mehrheitlich zuhause. Denn ich kann, wegen meinem schlechten Blutbild, meine Medikamente nicht mehr einnehmen. Alle vier Wochen erhalte ich eine Bluttransfusion, die mir wieder neue Lebensenergie spendet. Da aber mein Immunsystem schwach ist, bin ich nur noch sehr selten unter Menschen. 

Trotzdem denke ich, dass die momentane Zeit eine gute Ruhe in die Gesellschaft bringt und die Menschen allgemein wieder Zeit finden, über den eigenen Lebensstil nachzudenken und verfalle durch diese neue Bedrohung nicht in Panik.

Ich gehe nicht mehr selbst einkaufen, sondern lasse meine Freundin alles für mich einkaufen. Zuhause verpacke wir alles neu, damit sich auch wirklich keine Viren und Keime in meiner Küche einschleichen können. Wirklich angespannt bin ich jeweils nur, wenn ich für eine weitere Bluttransfusion ins Spital muss und danach auf die aktuellen Blutwerte warten muss. Zudem ist da ja noch der Lebertumor, den ich auch dabei bin zu bekämpfen. 

Entscheiden ist, dass ich mich beschäftige. Ich lerne Italienisch und Gitarre zu spielen. Und freue mich an meinem schönen Zuhause und den Garten voller Eidechsen und Holzbienen. Jetzt kann ich den Garten frisch bepflanzen und mir für die Sitzecke einen Windschutz bauen. Es ist immer etwas los bei mir und Langeweile kommt selten auf. 

Wird es dann doch mal schwieriger, zerre ich Kraft und Lebensenergie von meinen vergangenen Motorradreisen, die ich zusammen mit meiner Harley gemacht habe. 

Wir fuhren zum Beispiel gemeinsam durch Österreich, Slowenien, Kroatien und Italien zurück in die Schweiz. Als wir ein paar Tage unterwegs waren, leuchtete plötzlich eine Warnlampe in meinem Cockpit auf und ich wusste genau, was dies bedeutete. Ich fuhr also in die nächste Werkstatt. Aber leider hatten die Mechaniker dort kein Interesse mein Harley-Motorrad zu reparieren, klärten jedoch ab, wo ich ein Ersatzteil bekommen konnte. Sie fanden einen Alternator für meine Maschine auf der anderen Seite Österreichs. Ich nahm die Herausforderung an und machte mich, immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass der Motor jeden Augenblick dein Geist aufgeben konnte, auf direktestem Weg in Richtung Ersatzteil. 

Allerdings gab es dann doch ein paar Umwege: Nachdem ich einem heftigen Unwetter ausweichen musste, war die Strecke nämlich plötzlich dreimal so lang, wie ursprünglich geplant. Aber ich erreichte, wenn auch mit rauchendem Alternator, die Werkstatt. Die Leute dort waren supernett und hilfreich und tauschten, obwohl sie eigentlich schon Feierabend hatten, das Teil an meiner Harley noch am selben Abend aus. 

Nach alle den unerwarteten Anstrengungen hatte ich vor direkt zurück in die Schweiz zu fahren und die Reise frühzeitig zu beenden. Aber am nächsten Morgen traf ich an der Tankstelle auf eine kleine Gruppe Motorradfahrer und kam mit ihnen ins Gespräch. Sie schwärmten von Slowenien und rieten mir meine Zeit zu nutzen und doch noch eine Tour zu machen. Diese spontane Begegnung und die Begeisterung der mir fremden Motorradfahrer schafften es, mich zu motivieren. Wenig später bog ich in Richtung Slowenien ab. Von da an begann eine sehr schöne Reise mit wunderbaren Begegnungen und genialen Strassen, welche auch mal im nirgendwo endeten. Ein Erlebnis, von dem ich gerade in der jetzigen Zeit immer noch zerre und von dem ich noch viel erzählen könnte.“

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Pascal hat eine Webseite, auf der er Eltern mit Kinder, die an der Fanconi Anämie leiden, Unterstützung und Begleitung anbietet. Als Betroffener kann er auf ganz viele wichtige Ressourcen zurückgreifen. www.fanconi-schweiz.ch 

 

 

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