Eheleben auf engstem Raum

04. Oktober 2017

Ein Bett, ein Kühlschrank, ein Sofa, ein WC, drei Tische, fünf Schränke und viel Liebe. Was alles auf knapp 10m2 Platz hat, ist eigentlich recht erstaunlich.

 

"Ich kaufe dir einen Anhänger“, sagt er manchmal. Immer als Scherz. Zum Glück. Denn sonst wäre der Alltag auf kleinstem Raum wohl schwierig zu zweit zu bewältigen. Wir sehen uns praktisch 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Ausser wenn wir schlafen, oder wenn einer von uns auf dem Klo ist. Ein Problem damit haben wir nicht, sonst wären wir dem Nomadenleben – oder dem Eheleben – wohl bereits überdrüssig geworden.

Bei uns sind die Rollen, was den Haushalt im Bus angeht, ziemlich traditionell verteilt. Dies liegt am Fakt, dass ich keine Ahnung (und kein Interesse) von Autos, Elektronik und Solarpanels habe und Dylan einfach alles zum Funktionieren bringt, was nicht mehr so tut wie es sollte. Und auch daran, dass ich es liebe zu kochen und zu backen. So war auch klar, dass ich im Bus nicht nur einfache Gerichte kochen (und essen) mag. Daher haben wir verhältnismässig viele Küchenutensilien dabei und ein ganzes Regal voll mit Gewürzen. Darunter eine grosse Büchse voller Currypulver. Keine Regel ohne Ausnahme: Dylan koch auch ab und an ein scharfes Sri Lanka Curry (und nein, ich mache währenddessen keinen Ölwechsel – was für unseren Foxy wohl auch besser ist).

 

Ungefähr gleich gut ausgerüstet wie die mobile Küche, ist der Werkzeugkasten. Dylan würde jetzt sagen: „Stimmt nicht“, und im nächsten Baumarkt noch so einiges dazu kaufen. „Schliesslich kann ich damit den Bus flicken, dies ist wichtig.“ Womit er nicht ganz unrecht hat.

So hat alles, was wir heute noch Besitzen, einen Zweck. Also gut, das Meiste. Wir haben beide ein paar Dinge an Bord, die nicht nötig wären. Ich so um die 10 verschiedene Schals und Dylan zwei alte verrostete Schrauben. Als ich die neulich beim Aufräumen fand und fragte, wozu wir diese bräuchten, meinte er: „Die hat ein syrischer Mechaniker für mich extra geschweisst, als ich dort mit dem Motorrad unterwegs war.“ Die Art und Weise wie er es sagte, machte deutlich: Die gehören in den Bus. Die gehören zu uns.

 

Natürlich streiten auch wir uns ab und zu. Dann hilft ein Spaziergang an der frischen Luft und die Besinnung darauf, wie viel Gutes zwischen uns ist. Sowieso: dicke Luft kann bei uns im Bus nicht lange hängen bleiben. Früher oder später öffnen wir die Türe oder ein Fenster und der Wind trägt den Ärger über die Berge davon. Und schon alleine beim Betrachten unseres fast täglich wechselnden Gartens wird die Dankbarkeit, für das was wir hier zusammen haben und leben, grösser, als die Macke des anderen, die uns eben noch so aufgeregt hat.

 

Nebst unseren Jobs, die es uns ermöglichen entweder ortsunabhängig zu arbeiten, oder das Reisen erfordern, ist sicherlich die Liebe die wichtigste Zutat eines erfolgreichen Zusammenlebens auf knapp 10m2, die sich bis jetzt nie als zu eng oder zu klein erwiesen haben. Und sowieso haben wir viel mehr als 10m2. Wir haben Bergpanoramen, Blumenwiesen, Seen, das Meer, ein Fjord, auch mal Sträucher voller Beeren oder Tannen voller Schnee in unserem Garten. Und eben, wir haben die Liebe.

Unserer Erkentniss nach, Etwas vom Existenziellsten. Haben wir Liebe im Gepäck mit dabei, dann geht so vieles mehr.

Dabei meinen wir nicht nur die Liebe füreinander. Sondern auch die Liebe zum Reisen, zum Unterwegssein und zu unserer Arbeit. Denn wer liebt was er tut, der kann auch mit zeitweise buckligen Pisten umgehen.




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Dylan Wickrama & Martina Zürcher

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