Wo Fux & Bus

sich Gute Nacht Sagen

2. Juli 2017

Es raschelt hinter mir, ich drehe mich um und starre angestrengt in die Nacht. Zuerst Nichts. Dann ein Augenpaar, welches kurz aufleuchtet und mich beobachtet. Dann rechts ein Glühen in der Nacht. Was war das? Ich schaue um den Bus herum und bin froh da meinen Mann stehen zu sehen. Es sind nur Tiere da draussen, rede ich mir gut zu und konzentriere mich wieder aufs Kochen. Dylan steht vorne am Auto, der Laptop auf dem Beifahrersitz, umgewandelt zum Stehtisch. Er arbeitet an seinem neuen Vortrag, während ich hinten in der Küche das Abendessen zubereite. Mexikanische Burritos kommen auf den Tisch, der heute in einem Wäldchen in der Nähe von Luxemburg steht.

Eigentlich liebe ich es hier draussen im Wald den Abend zu verbringen. Wenn die Strahlen der sinkenden Sonne durch die Blätter scheinen, finde ich das Rascheln der kleinen Füsschen im Unterholz auch noch ziemlich nett und stelle mir vor, dass es von ein paar junge Füchsen stammt, die in den Büschen hinter uns herumtollen.

Da unser erster Bus Foxy hiess – weil er, als wir ihn kauften, einen Fuchs-Aufkleber auf der Heckscheibe hatte - haben wir über das letzte Jahr hinweg automatisch eine Schwäche für die schlauen Tiere entwickelt. Als wir dann Ende Januar den neuen Bus in Grenchen abholten und damit nach Aarberg fuhren, kreuzten drei Füchse unseren Weg. So viele hatte ich noch nie an einem einzigen Abend gesehen! Und so war für uns sofort klar: Auch der zweite Bus wird Foxy heissen.

Kleine Füsse im Unterholz

Nun stehe ich aber am Rande der Dunkelheit, die Bäume und Tiere verschluckt hat. Alles was zurückbleibt ist ein Rascheln hier und ein Knacksen da. Dann wieder ein kurzes Aufleuchten. Auch nach einem Jahr Übernachten in der Natur fühle ich mich immer noch nicht ganz wohl wenn es dunkel wird. Mit den lauter werdenden Eulenrufen wird automatisch mein Kopfkino eingeschaltet. Gibt es Wildschweine hier? Bären? Nein, jetzt hör mal auf, Bären sicher nicht, beruhige ich mich selbst und beginne laut mit Dylan zu sprechen. Der durchschaut mich sofort. „Die Tiere haben mehr Angst vor Dir, als du vor ihnen.“ Ich weiss, natürlich. Trotzdem bin ich froh nicht alleine zu sein.

Kompakt wohnen

Umso wohler fühle ich mich später, mit vollem Bauch, frisch geduscht unter der Bettdecke. Wenn alle Türen unseres Hauses zu sind und das Rascheln draussen bleibt. Immer noch freue ich mich jeden Abend darüber wie schön hell und gemütlich unser Bus geworden ist. Als wir ihn kauften, war er ein Lieferwagen. Also eigentlich eine dunkle Metallkiste ohne Fenster. Dylan hatte dann mit der Stichsäge zwei Löcher ins Dach und die Seitentüre gesägt und Fenster eingesetzt. Was für ein Unterschied! Ich mag Helligkeit in jeder Hinsicht besser als Dunkelheit.

Dann hat er Holzschränke gebaut, um unser Hab und Gut zu verstauen, mit Schranktüren, die zu Tischen umfunktioniert werden können, einen Kühlschrank und sogar eine Toilette eingebaut. Jetzt können die Füchse, Wildscheine und Bären draussen durchs Unterholz toben so viel sie wollen, ich kann in der Nacht drinnen auf den Topf. Was für ein Luxus! Licht (vom Solarpanel) und heiss Wasser zum Duschen (aufgeheizt mit Motorenwärme) sind ebenfalls inklusive. Was brauchen wir mehr?

Haustiere im richtigen Grössenverhältnis

„Wo ist eigentlich Geraldine?“, frage ich. Dylan zuckt mit den Schultern und wedelt mit dem T-Shirt Nachtfalter und Mücken zum Fenstern hinaus. „Ich sah sie das letzte Mal im Kasten unter der Spüle. Ist aber eine Weile her.“ Geraldine ist unsere Busspinne, die hier zeitgleich mit uns eingezogen ist. Dann glüht kurz etwas auf. „Oh! Ein Glühwürmchen!“ Es hat sich ebenfalls zu uns hinein verirrt. Freude bereitet sich in mir aus. Dieses kleine leuchtende Wesen gibt dem dunklen Wald seinen Zauber zurück.

Ich schiebe den Vorhang des Rückfensters zur Seite und beobachte den dunklen Wald. Es glimmert und glüht. Jetzt kommt mir in den Sinn, dass ich am Morgen direkt neben dem Bus Holunderblüten pflücken kann, um daraus einen Kuchen zu backen (ja, ich habe sogar einen Backofen!) und ich lege mich voller Vorfreude auf den neuen Tag ins Bett. Es sind diese kleinen Dinge, die ich an unserem Alltag liebe und schätze. So gesehen, kann ich sehr gut mit unsichtbaren Nachbarn leben. Sie mit uns offenbar auch – die Essensreste sind am Morgen auf alle Fälle verschwunden.




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Dylan Wickrama & Martina Zürcher

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