Im Gespräch mit Russland

25. Mai 2018 - Omsk

Russland ist flächenmässig das grösste Land der Welt, besiedelt ist es von 142.3 Millionen Menschen. Dies würde pro Quadratkilometer acht Köpfe bedeuten. Da aber 75% der Menschen im europäischen Teil (3.95 Mio km²), also westlich des Urals leben und nur 25% im asiatischen Teil (13.12 Mio km²), ist die Zahl, egal wo man ist, nie ganz korrekt. Wir haben gemerkt: Um so tiefer die Menschendichte wird, umso herzlicher werden die Begegnungen.

 

Eines vorneweg: Mit Englisch kommt man nicht durch. Nicht mal mehr an der Grenze und auch nicht in Moskau. Die Hürde mit den Menschen in Kontakt zu kommen ist also etwas höher als sonst. Zudem wird von westlichen Mainstream-Medien und Hollywood die Idee zementiert, Russen seine verschlossen, unfreundlich, ja gar böse, was Reisende davon abhalten kann überhaupt das Gespräch zu suchen.

Klar, sie sind nicht gerade ein Ausbruch an Lebensfreude. Schauen oft erst misstrauisch und streng, aber wer sie trotzdem anspricht, lacht und winkt, der bekommt irgendwann ein Lachen und Winken zurück. Bei uns dauerte es eine Woche bis die ersten fröhlich zurückwinkten. Aber immerhin. Sie taten es. Danach lehnte sich der Rentner zufrieden ins offene Fenster und redete auf uns ein wie ein Wasserfall. Wir stellten die Fragen via Übersetzer App, Dylan setzte ihm dazu seine Lesebrille auf den (für die Brille) etwas zu dicken Kopf, er las die Frage und sprach und sprach. Wir verstanden leider bloss Kolchose, Perestroika, Moskau, Politka. 

Und natürlich konnten wir es nicht lassen: „Putin?“ Dylan zeigte mit dem Daumen nach oben und dann nach unten. Eher gut oder eher schlecht? „Pfff“ Es klang gleichgültig. Der Mann zuckte mit den Schultern. Moskau scheint zu weit weg, als dass er sich ernsthaft kümmern würde. 

Stimmt!

In einem kleinen Dorf in Bashkirien, wo nur noch 55 mehrheitlich alte Menschen leben, deren Häuser bemerkenswert instandgehalten sind, lehnt Igor über den hölzernen Gartenzaun seines Elternhauses. Auf dem Kopf trägt er eine Takke, die ihn mit ihren Halbmonden als Moslem auszeichnet. Wir gehen hin und sprechen ihn an, also halten ihm das Smartphone unter die Nase. Er lebe nicht mehr hier, sondern in Ufa, der nächst grösseren Stadt, tippt er die Antwort ein. Aber er sei hier aufgewachsen.

Dann will er wissen woher wir kommen. Dabei ist er so höflich der Frage ein ‘Entschuldigen Sie bitte’ davor zu setzen, trotz des umständlichen Tippens. Als er versteht woher wir sind, will er das Telefon nochmals und ich lese die nächste Frage: „Ist es nicht beängstigend für Euch in Russland zu reisen?“ Nein. Ich schüttle den Kopf und tippe ein: „Wir haben bis jetzt nur gute Menschen getroffen.“ Er antwortet: „Nur die Politiker sind schlecht. Die einfachen Menschen sind gut.“ Da! Ja! Stimmt. Die Konversation ist stumm und mutet eher einem Chat an, einig werden wir uns trotzdem. 




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