AUF in den Wilden Osten

23. April 2018 - SCHWEIZ

Bald schon holpert unser Bushaus durch die mongolische Steppe. In der ersten Mai Woche geht es los in Richtung Osten. Bis wir 10 Tankfüllungen später in Ulan Bator ankommen. 

Text & Bild: Martina Zürcher

 

„Falls du wirklich so aussiehst wie dein Bild im Pass, dann bist du nicht fit genug, um zu reisen,“ sagte mir mal jemand. Stimmt, es hat schon was. Ich sehe auf dem Bild aus wie eine müde Verbrecherin. Dylan macht sich in seinem Pass, grimmig und mit Kurzhaarschnitt, ganz gut als mein Kumpan. Bonny und Clyde sozusagen. Die neuen Porträtbilder, die wir vor zwei Wochen mit starrer Mine geschossen haben, um dem russischen Visumsantrag beizulegen, zählen ungefähr zur gleichen Kategorie. Läck Bobi sehen wir unfreundlich aus! Offenbar grimmig genug, um ein russisches Visum zu erhalten.  Vier Wochen haben wir erhalten um quer durch Russland bis in die Mongolei zu fahren. Denn bis nach Ulan Bator und zurück wollen wir mit unserem Bus Foxy im nächsten halben Jahr rollen. 

Die Mongolei als zweite Heimat

Nach mehr als zwei Jahren Busleben in Europa wird es Zeit ein halbes Jahr etwas weiter weg zu fahren. Zumal ich in Ulan Bator seit 15 Jahren eine Art zweite Heimat gefunden habe und seither gemeinsam mit Freundinnen das Hilfswerk Bayasgalant, Kinderhilfe Mongolei betreibe. In einer Tagesstätte und drei Kindergärten betreuen wir täglich 175 Kinder, die in schlimmsten Verhältnissen aufwachsen. Bei Bayasgalant finden sie Nahrung, Wissensvermittlung und Geborgenheit. Ein Herzensprojekt und daher freue ich mich sehr endlich einmal über den Landweg in die Mongolei zu reisen und noch mehr darauf Dylan alles zu zeigen.

Mutig? Wir?

„Das ist aber mutig!“ sagten unsere Familien, als wir damals von der Idee der Tagesstätte in der Mongolei erzählten. „Du bist mutig, ich könnte das nicht!“ sagen Freundinnen, wenn sie über unser Leben im Bus sinnieren. „Wirklich? Ihr habt aber Mut!“, sagen die Menschen, heute, wenn wir durch Russland, die Mongolei, Kasachstan Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan reisen wollen.

Aber ist es wirklich so mutig? Wir empfinde es überhaupt nicht so. Ich finde es zum Beispiel viel mutiger ein Haus zu kaufen und zu wissen, dass ich danach Jahre an die Rückzahlung des Kredites gebunden wäre, also immer ein gleichgrosses Einkommen bräuchte. Und ja, ich finde es mutiger Kinder zu kriegen und sich so mindestens 18 Jahre in die verantwortungsvolle Rolle der Elternschaft zu begeben. Das war wir tun, hingegen, dass empfinde ich nicht als mutig, sondern als normal. Ich musste mich nie überwinden es zu tun. Es passt, weil es das ist was unser Herz uns sagt. Ich bin davon überzeugt, dass alle Eltern genauso empfinden, wenn es um ihre Kinder geht. Sie fühlen sich nicht mutig Eltern zu sein, sondern folgten dem Entscheid ihres Herzens. Dann nämlich braucht es keinen Mut, sondern lediglich Vertrauen. Oder?

Herzensentscheide

Es gibt Menschen, die sagen zu uns: „Ich möchte auch reisen gehen und die Welt sehen. Aber ich habe den Mut dazu nicht aufzubrechen.“ Da stellt sich die Frage: Haben wir den Mut nicht etwas zu tun, weil es sich für uns nicht richtig anfühlt oder trauen wir uns nicht unserem Herz zu folgen? Eine wichtige Frage.

Dylan und ich haben damals vielleicht eine halbe Stunde darüber diskutiert, ob wir künftig im Bus wohnen wollen. Und dann voller Freude die Wohnungskündigung geschrieben. Obwohl dies für beide von uns nie ein langersehnter Traum war, war da plötzlich diese Idee, die uns rein in Gedanken mit einer riesen Vorfreude erfüllte. Genauso fühlte es sich auch mit der Gründung des Kinderhilfsprojekt in der Mongolei an. Wir sassen damals zu viert in der Weite der mongolischen Steppe und diskutierten über die Möglichkeiten den Strassenkindern zu helfen. „Mir ist es aber ernst!“ sagte Christine meine Freundin, die die Idee zum Projekt hatte. „Uns auch!“ antworteten wir anderen, damals alle zwischen 20 und 24 Jahre jung, obwohl wir uns zuvor nie ausgemalt hatten, jemals ein Hilfsprojekt aufzubauen. Es fühlte sich einfach absolut richtig an. Damals wie heute. Entscheide mit dem Herzt anstatt nur mit dem Kopf zu treffen, fühlen sich einfach gut an. So auch unsere aktuellsten Reisepläne in Richtung (wilden) Osten.

 

Die Reise kann hier auf dem Blog aber auch auf Instagram und Facebook verfolgt werden: @ride2xplore

Mehr über das Hilfsprojekt gibt es auf www.bayasgalant.org




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Dylan Wickrama & Martina Zürcher

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