Weniger ist immer mehr

Schweiz, 18. Dezember 2017


Was bedeuten uns Dinge, die wir im Verlauf unseres Lebens ansammeln? Welche benötigen wir wirklich und wann ist es an der Zeit loszulassen?

 

Ich öffne die kleine Schranktüre und mir fallen meine T-Shirts, Pullover und Hosen entgegen. „Wir müssen endlich mal wieder unsere Schränke aussortieren,“ notiere ich in Gedanken und bin ein klein wenig ab mir selbst überrascht. Wie kann es sein, dass wir in einem Bus leben und immer noch zu viele Klamotten besitzen?

Dies hängt wohl eher mit unserer Einstellung, die sich in den letzten zwei Jahren weiter verändert hat, zusammen, als mit der tatsächlichen Anzahl an Kleidern. Als wir 2016 von einer 3-Zimmerwohnung auf den Bus reduzierten, hatten wir das Gefühl viel zu vielen Dinge zu besitzen und jetzt nach knapp zwei Jahren mit dem Minimum, überkommt uns dieses selbe Gefühl erstaunlicherweise wieder.

Da war doch was?

Einige Erinnerungsstücke und Möbel, die wir dachte, die bedeuten uns etwas, stehen in einem Kellerraum eingelagert und warten darauf, dass und die Lust am Nomadentum vergeht. Es sind ein Schrank, ein Tisch und eine Kommode um genau zu sein. Ihre Schubladen und Fächer sind gefüllt mit Erinnerungsstücken von Reisen, Bücher, die wir (also vor allem ich) nicht hatten loswerden wollen, ein paar weiteren Kleidern, sowie Dokumenten. Also ehrlich gesagt wissen wir mittlerweile gar nicht mehr so genau, was noch alles da ist. Und so merken wir, dass die Dinge denen wir einst selbst einen Wert zugeschrieben haben, mit der Zeit viel weniger wichtig sind oder überhaupt gar nichts mehr bedeuten. Und als ich da neulich im Keller stand und eine alte Handtasche von mir fand, da fragt ich mich: Warum glaubte ich damals mit dieser türkisfarbenen Lederhandtasche, die über 200.- gekostet hatte, glücklicher zu sein? Und warum liegt sie immer noch hier herum?

Weniger Zeugs, mehr Zeit

Dabei befolgen wir heute keine strikten Regeln. Wenn uns etwas gefällt oder wir etwas benötigen, kaufen wir es. Aber wir sind so ausgefüllt und zufrieden mit unserem Alltag, dass wir das Bedürfnis shoppen zu gehen gar nicht erst verspüren. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass mit weniger zu leben mehr Lebensqualität mit sich bringt. Wir verbringen weniger Zeit mit ausmisten, Dingen suchen, Auswählen von passenden Schuhen und Kleidern, wir müssen weniger Zeit fürs Putzen und Aufräumen investieren, keine neuen Vorhänge nähen oder endlich mal wieder den Rasen mähen oder sämtliche Fenster putzen. Wir haben somit mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Wie zum Beispiel Sonnenuntergänge zu beobachten. Den Vögeln beim Singen zu zu hören. Oder unser Bus-Haus weihnächtlich zu dekorieren – auch dies ist übrigens in höchstens 15 Minuten erledigt und dann herrlich gemütlich.

Schenkt Zeit!

Gerade jetzt in der Adventszeit, wo die meisten Menschen dem Konsum hinterherrennen, geniessen wir es mehr Zeit zu haben. Denn was wir uns und unseren Familien schenken ist Zeit etwas gemeinsam zu unternehmen. Auswärts Essen mit den Eltern, einen Tag Güezli backen mit der Nichte und eine Schneewanderung auf den Weissenstein mit der Schwester.

Zeit ist das beste und wertvollste Geschenk überhaupt. Denn die Zeit ist das einzige was uns nicht unbeschränkt zur Verfügung steht. Besser also wir füllen die Tage mit wundervollen und spannenden Dingen. Drum, lieber Tisch, liebe Kommode und lieber Schrank, es tut uns leid, ihr werdet uns auch 2018 nicht sehr viel sehen. Und liebe Kleider: Euch geht es bereits dieses Wochenende an den Kragen, ihr werdet aber hoffentlich bald jemanden finden, der Euch wirklich schätzt.

 




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