Jura, Kühe und autsch Benzin

 „Übernachtet ihr in eurer Kiste?“, fragt mein Vater langsam mehr rhetorisch als ernsthaft, denn mittlerweile weiss auch er: Wir zwei übernachten immer in Foxy. Wir fühlen uns in unserer kleinen Metallkiste so wohl, dass wir tatsächlich auch auf dem Hausplatz meiner Eltern im Bus übernachten. Für die einen mag dies komisch sein, für uns ist es nur logisch: Wir haben ein eigenes Häuschen und da schlafen wir auch drin. Egal wo, und eben auch vor dem Haus von Freunden oder Familie.

Schweiz anstatt Ausland

In den letzten Wochen haben wir den Schweizer Sommer genossen. Tagsüber kühlt uns die Aare oder der Bielersee ab, nachts der Stellplatz in der Höhe. Im Jura, auf dem Grimselpass oder im Gantrischtgebiet waren wir unterwegs. Mal weckte uns eine Kuh, die sich an Foxys Hecktüre den Nacken kratzte und damit den ganzen Bus zum Schaukeln brachte, ein anderes Mal wurden wir beim Erwachen vom Bergpanorama gegrüsst. Unsere Schweiz ist einfach wunderschön. Auch wenn wir es lieben in die Ferne zu reisen, so finden wir es nicht minder spannend Zeit in der Region zu verbringen. Dank dem Leben im Bus entdecken wir auch hier immer wieder neue Orte in unmittelbarer Nähe. Und Jura, du wunderbarer, dass soll nun hier einmal laut gesagt sein: Wir lieben dich! Weite Wiesen voller Pferde, Tannen und Blumen, kleine Strässchen, Hügel und Dörfer. Einfach schön!

Natur anstatt TV

Das Leben im Bus hilft uns die Arbeitstage zu verkürzen. Denn mit dem Schritt in die Selbständigkeit vor ein paar Jahren, haben wir die Freiheit gegen den Feierabend eingetauscht. Es gibt schliesslich immer etwas zu tun. Nun aber gilt es rechtzeitig Feierabend zu machen und einen Ort für die Nacht zu suchen, einzukaufen und zu kochen. Diese Alltagsdinge sind jetzt alle zeitaufwändiger als vorher. Das Gute daran ist: Wir nehmen uns jetzt bewusst Zeit dafür und für simple Dinge. Dafür verwenden wir keine Zeit mehr für den (nicht vorhandenen) TV. Neulich haben wir im Jura wohl so 20 Minuten damit verbracht zu beobachten wie die Kühe auf der Weide neben uns auf verschiedene Musik reagieren. Spannender als jeder Krimi! Und wir wissen nun: Nervöse Klaviermusik kommt bei den Kühen überhaupt nicht gut an.

Benzin anstatt Diesel

Nun ist es an der Zeit Foxy für ein paar Wochen zurück zu lassen. Dylans Familie in Sri Lanka erwartet uns, gleichzeitig werden wir eine Motorradtour auskundschaften, die wir nächstes Jahr organisieren und eine Reisereportage schreiben.

Also kurz vor Aarberg noch schnell den Bus volltanken, falls ihn während unserer Abwesenheit jemand benutzen will. Wie ich den Tankschlauch zurück in die Säule stecke, weiss ich sofort: da ist was falsch! Wir schauen uns entsetzt an, die Worte bleiben uns im Hals stecken (was vielleicht in dem Moment besser ist). Ich habe doch tatsächlich 80 Liter Benzin in unseren Dieseltank gefüllt! Dylan rauft sich dich Haare, denn er weiss, im Gegensatz zu mir, wie umständlich es sein wird all dieses Benzin wieder aus dem Tank zu bringen. Zudem könnte der Zeitpunkt nicht dümmer sein. Morgen früh müssen wir zum Flughafen. Jetzt ist es kurz nach zehn Uhr abends. Die Zeit ist knapp.

Mit Hilfe von Freunden schleppen wir den Bus ab und legen eine Nachtschicht ein, um Foxy von einer schwerwiegenden Lebensmittelvergiftung zu retten. Während ich die letzten Dinge packe (unter anderem 7kg Schokolade), saugt Dylan mit einem Schlauch das Benzin fast tropfenweise aus Foxys Bauch. Dann bleibt der Schlauchaufsatz stecken und es bleibt nichts anderes übrig als den Tank auszubauen. Es ist mittlerweile nach Mitternacht und alles muss so leise wie möglich gemacht werde. Um zwei Uhr ist der Schaden immer noch nicht behoben. Dylan ist sichtlich genervt und ich bin gerade sehr mit Packen beschäftigt.

Schliesslich schlafen wir für ein paar Stunden und stehen um halb sechs wieder auf um weiter zu machen. Zu unserem Glück kommen die Mitarbeiter der Nachbarsfirma um sechs Uhr bereits zur Arbeit. Sie haben eine Pumpe und damit schaffen wir es schliesslich innert kürzester Zeit die restlichen Liter raus zu kriegen und den Tank wieder einzubauen. Wir stinken mittlerweile beide nach Benzin und haben vor der Abfahrt des Zuges in Richtung Flughafen gerade noch Zeit zum Duschen. Erleichtert sitzen wir schliesslich ein paar Stunden später im Flug nach Colombo, mit im Gepäck: der Humor. Jetzt wo es geschafft ist, können wir über die Situation lachen. Aber der Ausspruch „aus Fehlern lernt man“, kommt nicht von ungefähr. Ich werde garantiert nie mehr Benzin anstatt Diesel tanken.