Einmal Oxford retour

Foxy muss in Kur

 

Es ist zwei Uhr morgens und als ich mit einem heissen Kaffee aus der Autobahnraststätte hinaustrete und Foxy, unseren Bus, starten will, geht nichts mehr. Mist, in zwei Stunden sollten wir die Fähre erreichen, die uns von England zurück aufs europäische Festland bringt. Noch liegen anderthalb Stunden Fahrt vor uns. Was nun? Ich wecke Dylan, der nach einigen Minuten, als ehemaliger Automechaniker, das Übel entdeckt hat: Der Anlasser ist kaputt. Um den ADAC anzurufen reicht es nicht, sonst ist unsere Fähre weg. Das Auto alleine anschieben geht ebenfalls nicht. Hinten ist alles vollgepackt. Das Motorrad, mit welchem Dylan um die Welt und (umgewandelt zu einem Floss) über den Pazifik gefahren ist, hat unser Schlaf- und Wohnzimmer in Beschlag genommen, somit ist die Nutzlast von Foxy voll ausgelastet. Drei Tonnen. Wir brauchen also ein paar kräftige Menschen. Morgens um 2 Uhr an einer schlummernden Autobahnraststätte. Super Zeitpunkt. Zudem: die Fähre! Die Zeit wird langsam knapp. Wir bleiben trotz der Müdigkeit positiv. Irgendwie werden wir es schaffen. Schlimmstenfalls ist die Fähre weg. Aber es gibt auch eine Nächste.

Positiv Denken

In Stresssituationen positiv zu bleiben und daran zu glauben, dass alles gut kommt, ist eine Fähigkeit, die ich von meinem Mann über die Jahre gelernt habe. Eine Fähigkeit, die einem vielleicht auch das Reisen lernt, denn sich zu ärgern, schadet nur uns selbst, hilft aber nicht weiter. Und tatsächlich: keine fünf Minuten später fährt ein Auto mit fünf kräftigen jungen Männern auf den Parkplatz, einen kurzen Wortwechsel später schieben sie uns an. Die Kupplung springt hoch, der Motor stottert, Foxy schüttelt sich als hätte er Schmerzen und springt dann an. Geschafft! Jetzt bloss nicht den Motor ausschalten, bis wir die Fähre erreicht haben!

Wir hatten das Wochenende in Oxford verbracht, um dort an einem Reiseevent unser Buch, welches auch auf Englisch erschienen ist, vorzustellen und Dylans Multimediavortrag zu zeigen. Da es ein Motorrad bezogener Event war, hatten wir auch das Motorrad mitnehmen müssen. Nun hatten wir also auf dem Rückweg eine Hürde mehr: Wir hatten nicht nur keinen Platz zum Schlafen, nein wir sollten, wenn möglich, den Motor nicht ausschalten.

Auf der Fähre nutzen wir die Gelegenheit etwas zu schlafen. In Frankreich angekommen werden wir erfolgreich aus dem Bauch des Schiffes gespuckt. Der Motor springt an. Bei den nächsten Stopps wird es etwas komplizierter: Die Müdigkeit übermannt uns, Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Zum Glück scheint die Sonne und wir wollen unser Bett für ein paar Stunden unter dem Himmel einzurichten. Wir brauchen also einen ruhigen Ort und einen Parkplatz am Hang, damit wir wieder wegkommen. Dem Satellitenbild von Googlemaps sei Dank fahren wir kurze Zeit später durch ein Wäldchen und finden tatsächlich den für unsere Situation idealen Spot. Beim nächsten Halt muss unser Hunger befriedigt werden, denn auch zum selber kochen, haben wir so vollbepackt keine Möglichkeit. Entscheidend ist nicht auf was wir Lust haben, sondern: Welche Beiz hat einen genug steilen Parkplatz? Wir durchqueren ein paar französische Dörfer und dann auch hier wieder ein Glücksfall. Chinesisches Buffet am Hang. Wir parken so, dass die Hinterräder auf dem Randstein stehen, um bei der Abfahrt zusätzlichen Schwung zu erhalten. Humor, Kreativität und positives Denken sind unsere Begleiter – seit wir im Bus leben noch viel mehr.

Als wir wieder im Seeland ankommen und das Motorrad uns Platz macht zum Wohnen, realisieren wir, dass es Zeit wird Foxy in den Kururlaub zu schicken. Die vielen Kilometer, die wir ihm im letzten Jahr zugemutet haben, haben nicht nur beim Anlasser Spuren hinterlassen. Aber es ist ein komisches Gefühl unser zu Hause in der Autogarage zurück zu lassen. Sozusagen alles was wir besitzen in fremde Hände zu geben. Aber zum Glück gibt es noch das Zuhause bei der Familie und genügend Arbeit sowieso. Die dritte Auflage unseres Buches wird geliefert und schon bald gibt es wieder Vorträge und auch da einiges an Vorbereitungen. Die Langweilig bleibt uns fremd, auch wenn wir für einmal nicht so mobil sind.

Wenn Schlafen so nicht mehr geht, dann muss es halt Openair sein. Zum Glück war damals noch Sommer.

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