Auf den Lofoten

gute & kurze Nächte

 

Die Strassen winden sich den Fjorden entlang, scheinen sich mit unsichtbaren Händen an die Felsen zu klammern, führen uns über Pässe, über Brücken und durch Tunnel, die so steil hinunter in die Erde führen, als würden wir direkt zum Teufel fahren. Bald aber geht es auf der anderen Seite wieder hoch. Unser GPS zeigt an, dass wir durchs Nordeuropäische Meer gefahren sind. Hätten wir das kleine Gerät nicht, würden wir hier draussen, am nordwestlichen Ende Europas, die Orientierung vollends verlieren. Meer und Berge spielen mit uns und bringen uns mit ihrer Schönheit um den Verstand. Das Wasser ist so klar, dass wir von der Brücke aus den Quallen zusehen können, die mit der Strömung der Gezeiten zurück in die Weite des Ozeans schwimmen. Diese Farben, diese Wolken, diese Intensität! Als wäre die Schönheit nicht bereits überwältigend genug, spiegelt sich das gesamte Wunderbild im Wasser wider. Ist es ein See? Oder das Meer? Oft wissen wir es nicht. Der Kilometerzähler steht bei 394’735. Wir sind auf den Lofoten angekommen. Wir hatten spontan entschieden die fünf Wochen Sommerpause zu nutzen, um bis zum Nordkap hoch zu fahren. Aber der Eintrittspreis von über 50 Euro für zwei Personen war für uns Indikator dafür, dass es dort zu viele Touristen haben wird. Nun geniessen wir die raue Schönheit Norwegens auf den Lofoten, wo man, wie bereits in Schweden, den Bus überall parken kann, ohne jemanden zu störten. Für uns das Paradies! Jeden Abend geniessen wir ein neues, umwerfendes Panorama vor unserem Schlafzimmerfenster. Guten Schlaf zu finden ist aber trotzdem nicht ganz einfach: Die Sonne geht kurz vor Mitternacht unter und um drei Uhr in der Frühe wieder auf. Fast jeden Morgen weckt uns das helle Licht um vier Uhr auf und wir haben das Gefühl es sei bestimmt schon acht, neun Uhr.

Einen geruhsamen Platz für die Nacht zu finden ist nicht immer so einfach wie hier in Skandinavien. In England hat es so viele Zäune und Mauern, dass wir auch schon mal bei einem Bauern fragen mussten, ob wir auf seinem Feld stehen dürften. Meist schauen wir via dem Satellitenbild von Googlemaps nach, wo es viel Natur und wenig Häuser gibt. Wichtigste Gebote dabei sind: niemanden stören und ein sicheres Gefühl haben. Dylans Intuition für einen Stellplatz hat sich auf seiner dreijährigen Motorradreise geschärft. Haben wir ein ungutes Gefühl geht’s weiter. Raststätten sind nur Notlösungen, wenn wir zu einem Termin unterwegs sind und schnell vorwärtskommen müssen zum Beispiel. Campingplätze benutzen wir, wo das wilde Campieren verboten ist. Und manchmal können wir unseren Foxy auch vor dem Haus von Freunden parken. So wie vor zwei Wochen in Östersund, Schweden. Als ich morgens um 6.45 die hintere Türe zuzog erklang sofort das metallische Klack-klack der Zentralverriegelung. Ein schreckliches Geräusch so früh morgens, vor allem als ich Sekunden später realisierte, dass der Schlüssel im Bus und Dylan bereits beim Frühstück ist. Sein Kaffee wurde kalt während wir die nächsten vier Stunden damit zubrachten ins eigenes Auto einzubrechen ohne einen allzu grossen Schaden anzurichten. Wie dankbar waren wir, dass dies vor der gut ausgerüsteten Werkstatt unserer Freunde passiert war und nicht zwei Tage zuvor, als wir mitten im schwedischen Wald alleine unter Moskitos und Elchen waren.

Comments: 1 (Discussion closed)
  • #1

    Marian (Monday, 26 September 2016 09:20)

    Ich finde es toll, wie ihr euren Traum lebt und in der Welt unterwegs seid! Macht weiter so und erzählt eure Geschichte. Immer wieder mal denke ich an deinen Vortrag und es motiviert mich, selber mehr an meinen Träumen zu arbeiten.